DSM-Kolumne: Warum wir Co-Creation brauchen oder das Phänomen der Ungleichzeitigkeit

Sie kennen sicher dieses Szenario: mit einer intensiver Analyse der Ausgangslage, der Ermittlung aller Grundlagen, einer langer Planung, einer Abwägung der Alternativen und endlich der Präsentation eines eindeutigen Ergebnisses hat eine Stadtverwaltung ihr Werk vollbracht. Jetzt beginnt der erforderliche Beteiligungsprozess mit den Bürgern, mit Verbänden und Politik. Mit jedem Tag, der ab jetzt verstreicht, wird die Verwaltungsleitung ungeduldig, sie drängt wiederholt unter Hinweis auf die tickende Uhr für einen Förderantrag an das Land auf rasche Zustimmung.

Sowohl die Bürger, als auch die Verbände und die Politik verwahren sich gegen solche Drängelei, sie fühlen sich unter Druck gesetzt und wollen ihre eigenen Entscheidungen über eine Zustimmung zur Planung von einer intensiven Prüfung der Ausgangslage, der Grundlagen und Alternativen und schließlich des Ergebnisses aller Verwaltungs-Arbeit abhängig machen. Das ständige und nicht selten öffentliche Mahnen der Verwaltungsspitze empfinden sie als Einschränkung ihrer Entscheidungsfreiheit.

Was geschieht hier? Es wirkt das Phänomen der Ungleichzeitigkeit, das beide Seiten bei einem komplexen Planungsverfahren unter Druck setzt. Bis zur Ergebnispräsentation ist die Stadtverwaltung Herrin des Verfahrens. Ab dem Zeitpunkt, an dem die Planer ihre Arbeit abgeschlossen haben, beginnt die Ungeduld, beginnt die Unsicherheit der Verwaltung, ob das Werk die Zustimmung anderer erhält. Aber erst zu diesem Zeitpunkt beginnen die anderen Beteiligten mit dem Analysieren, dem Bewerten der Altennativen und des gefundenen Ergebnisses, schließlich mit der eigenen Entscheidung über Unterstützung, Änderungswünschen oder Ablehnung des vorgeschlagenen Ergebnisses.

In jedem Fall entsteht so eine verfahrene Situation. Während die eine Seite den Vorwurf erhebt, dass Dritte das Ergebnis der Planung schlecht machen und die Fördermöglichkeiten aufs Spiel setzen, beklagt die andere Seite eine viel zu späte Beteiligung und den aufgebauten öffentlichen Druck.

Was ist der Ausweg aus dem Dilemma?

Wie wäre es mit einer gemeinschaftlichen Arbeit in den einzelnen Stufen der Planung? Nennen wir es Co-Creation, also eine schon anfängliche Beteiligung aller Interessenträger in den Planungs- und Entscheidungsprozessen, übrigens ganz im Unterschied zur Co-Produktion von öffentlichen Gütern nach gegebenen Regeln.

Demnächst mehr zu diesem Thema!

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