Die smarte Region – Bausteine einer Transferagenda

In dem eben bei SpringerGabler erschienen Band Smart Region ist auch ein Beitrag von Oliver Chr. Will erschienen, Gründer und Geschäftsführer der Strategiemanufaktur. Der Artikel Smart Regions – Elemente einer Transferagenda beschäftigt sich mit der Frage, welche Merkmale eine Smart Region auszeichnen und welche Elemente bei künftigen Entwicklungen zentrale Erfolgsfaktoren sind.

Aus der Sicht des Verfassers ist eine smarte Region kein synomym einer digitalen Region. Smart wird eine Region vielmehr durch das Zusammendenken und Zusammenwirken technologischer, auch digitaler, Innovationen, mit sozialer und institutioneller Innovation. Die strukturelle Dimension bildet den archimedischen Punkt für einen gelingenden Transfer, wird aber häufig vernachlässigt und oft vergessen. Für eine smarte Region als funktionierendes Innovationsökosystem ist jedoch gerade diese Dimension zentral für einen gelingenden Transfer. Smarte Regionen benötigen daher ein smartes „Organsisational Design“, Sprachfähikeit, Beziehungskapital und Boundary Spanner für den gemeinsamen Erfolg. Oder anders ausgedrückt sie benötigen einen systemischen Lösungsansatz, der die Themen und Akteure miteinander verknüpft.

Die Frage, wie eine Region räumlich und inhaltlich zu definieren ist lässt sich und besonders in funktionaler Sicht nicht eindeutig definieren, da es häufig zu einem themenspezifischen „functional overlapping“ kommt, das nicht mit den Grenzen der Gebietskörperschaften der Region kongruent sind. Umso wichtiger wird eine regionale Identität und ein Narrativ, das den Sinn der regionalen Zusammenarbeit erläutert und die Region mit der nötigen Schwerkraft ausstattet (Pull-Effekt).

Der Beitrag erläutert an Hand internationaler und nationaler Beispiele und Erfahrungen (good practices) für sieben Bauelemente einer smarten Region aus Skandinavien, Niederlande, Frankreich, Österreich, Spanien Israel und Deutschland. Diese Erfahrungen aus dem Smart City-Projekten und Lösungen gilt es für die Region zu Adaptieren und zielorientiert weiterzuentwickeln.

So definiert Open Skåne 2030 fünf Zielbilder für die Region als Wirkungsziele, die mit entsprechenden Messgrößen hinterlegt werden und deren Umsetzung durch übergreifend arbeitende Taskforces begleitet wird.

Im Rahmen des Förderprogramms Viable Cities wurde erstmals explizit die Funktion eines Storyteller eingerichtet, der die abstrakten Ziele und technoligischen Detail in Geschichten kleidet.

Die Region Eindhoven hat mit der Etablierung des Triple-Helix-Ansatzes vor 20 Jahren die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung/Politik auf eine neue horizontal zwischen den Sektoren orientierte Grundlage gestellt. Sie wird aktuell zu einem Multi-Helix-Modell der Akteursgruppensteuerung weiter entwickelt.

Die Städte Lyon und Wien setzen in ihren SmarterTogether-Projekten auf eine systematische Einbindung der Bürger aller Generationen und sie integrieren die Themen Energie, Mobilität auf bespielhafte Weise.

Barcelona als eine der europäische Smart Cities hat das Thema Social Innovation zu einem der Schwerpunkte seiner Arbeit gemacht.

Die BürgerApp Digitel in Tel Aviv bietet integriete und proaktive Bürgerservices an, die auf einem neuen Wissensmanagementsystem innerhalb der Stadtverwaltung beruhen und mit Benefitsystemen arbeiten, um die Plattform für die Bürger attraktiv zu machen.

Die Stadt Karlsruhe hat, ausgelöst durch die Evaluation ihrer Smart City Aktivitäten, einen Verwaltungsmodernisierungsprozess durchlaufen, der Elemente einer Matrixorganisation der neuen Art, mit einer strategischen Innovationsteam (I-Team) und einer Reputationssteigerung der politischen Ebene koppelt, die horizontral und transversal zusammenfügt.

Aus den Grundsatzüberlegungen zu Beginn des Beitrags und die Impulse aus den Referenz-Städten und Regionen ergeben sich sieben Bausteine einer Transferagenda:

(1) eine smarte Region muss systematisch und systemisch betrachtet und gestaltet werden
(2) eine smarte Region benötigt Gemeinschaft und Beziehungskapital
(3) sie muss sich als Sozialraum verstehen und benötigt eine gemeinsame, homogene Agenda
(4) eine smarte Region sollte als Sharing-Region verstanden werden
(5) sie benötigt ein neues Verständnis von regionaler Führung (Regionaldiplomaten)
(6) nicht zuletzt gemeinsame Orte der Identitätsstiftung und
(7) Multi-Helix-Ansatz der Beteiligung durch den sich ein Collective Genius entwickelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.