Ob Starkregen, Cyberangriff oder Verteidigungsfall: Die Kommunen sind die erste Ebene, die handeln muss – und die erste Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger. Genau hier setzt das neue Arbeitspapier Kommunale Resilienz stärken: Empfehlungen für mehr Handlungsfähigkeit in der Fläche an, das Oliver Will und Dr. Christof Eichert am 1. Oktober 2026 in der Reihe Arbeitspapier Sicherheitspolitik der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) veröffentlicht haben.
Die Kernthese: Die aktuelle Debatte um Bevölkerungsschutz und Gesamtverteidigung richtet den Blick vor allem auf THW, Bundeswehr und die großen Hilfsorganisationen. Die rund 11.000 Kommunen bleiben dabei unterbelichtet – obwohl sie das operative Fundament in der Fläche bilden und das Scharnier zur Bevölkerung sind.
Worum es geht
Zwischen der Aufgabe der Kommunen und ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit klafft eine markante Lücke. Es fehlen Übungsroutinen, das Bewusstsein für die Dringlichkeit wächst nur langsam, und personelle wie organisatorische Vorsorge konkurriert mit dem Tagesgeschäft. Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 und die misslungene Katastrophenübung in Thüringen 2026 haben gezeigt, wie schnell Koordination und Kooperation im Ernstfall an ihre Grenzen kommen.
Das Papier fasst kommunale Resilienz in sechs Dimensionen, die nur im Zusammenspiel wirken:
- Robustheit – belastbare Gebäude, Technik und Entscheidungsstrukturen
- Redundanz – Ausweichstandorte, alternative Kommunikationswege, Reserven
- Reaktionsfähigkeit – Lagen rasch erfassen und entscheiden, im Verbund mit Kreis, Land und Bund
- Wiederherstellungsfähigkeit – Versorgung und soziale Ordnung nach dem Ereignis stabilisieren
- Anpassungs- und Lernfähigkeit – aus Übungen und realen Lagen eine lernende Organisation machen
- Vernetzung und Selbsthilfe – Einbindung in Gefahrenabwehr, KRITIS, Zivil-Militärische Zusammenarbeit und vor allem in die Bevölkerung
Quer zu allen Dimensionen liegt der entscheidende Faktor: die Bevölkerung. Schutz kann in vielen Lagen nicht allein für die Allgemeinheit organisiert werden, sondern nur mit ihr. Bürgerinnen und Bürger sind Objekt und Subjekt der eigenen Sicherheit zugleich. Die Vorbereitung darauf ist deshalb keine Verwaltungsroutine, sondern eine Führungsaufgabe der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister – das Thema muss, so die Autoren, aus dem Ordner im Stahlregal in die Führungspraxis vor Ort.
Fünf Handlungsfelder – was ab heute zu tun ist
Für kommunale Führungskräfte formuliert das Papier ein operatives Kernprogramm mit fünf Handlungsfeldern, jeweils mit Sofortmaßnahmen und mittelfristigen Schritten:
1. Führungs- und Stabsorganisation befähigen – durchhaltefähige Schichtmodelle, Vertretungsketten, eine benannte Stabsleitung und ein belastbarer Lage- und Führungsraum.
2. Krisenkommunikation und Informationsresilienz sicherstellen – mehrkanalige Sprecherstruktur, ausfallsichere interne Kommunikationswege, Umgang mit Desinformation.
3. Ressourcen ausbauen und vorhalten – Fortbildung der Führungskräfte, ein fester Übungszyklus, eine Organisationsstelle für Resilienz und eine Personalreserve.
4. Schulen und Gemeinschaftsgebäude als Resilienzanker ausstatten – Inventur und Ertüchtigung von Schulen, Sporthallen, Kirchen und Gemeindehäusern als Notunterkünfte und Notfalltreffpunkte.
5. Bevölkerung sensibilisieren und qualifizieren – Schulungen, Bildungsangebote und Awareness-Kampagnen, die Eigenvorsorge und Selbsthilfefähigkeit vor Ort stärken.
Je nach Größe der Kommune unterscheiden sich Organisation und Umsetzung erheblich – beginnen sollte die Arbeit aber überall jetzt.
Unser Angebot für Kommunen
Die Strategiemanufaktur begleitet Kommunen und Landkreise auf dem Weg zu mehr Resilienz – modular, aufeinander aufbauend und passend zur Größe der Verwaltung. Drei Pakete stehen zur Wahl:
Paket I – Standortbestimmung. Kurzanalyse des IST-Zustands entlang der sechs Resilienzdimensionen und der fünf Handlungsfelder sowie allgemeine Handlungsempfehlungen. Ergebnis: ein kompakter Befund, der zeigt, wo die Kommune steht und wo der dringlichste Handlungsbedarf liegt.
Paket II – Vertiefung und Fahrplan. Aufbauend auf Paket I: eine vertiefende Analyse, verbunden mit einer Workshop-Reihe zur Bewusstseinsbildung innerhalb der Verwaltung und im Verbund mit Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Schulträgern, Kirchen und weiteren Partnern vor Ort. Ergebnis: ein konkreter Fahrplan mit Meilensteinen, Verantwortlichkeiten und Sofortmaßnahmen.
Paket III – Umsetzungsbegleitung. Aufbauend auf der Standortbestimmung: Wir begleiten die Umsetzung der Maßnahmen – von der Stabsdienstordnung über Kommunikationskonzepte bis zur Einbindung der Bevölkerung – und sorgen dafür, dass kommunale Resilienz zur gelebten Routine wird.
Zum Papier und Kontakt
Das vollständige Arbeitspapier Sicherheitspolitik Nr. 7/2026 steht auf der Website der Bundesakademie für Sicherheitspolitik zum Download bereit: www.baks.bund.de/de/service/arbeitspapiere-sicherheitspolitik. Die Autoren geben darin ihre persönliche Meinung wieder.
Oliver Will ist Gründer und Geschäftsführer der Strategiemanufaktur in Karlsruhe und war zuvor mehr als zehn Jahre in der Ministerialverwaltung Baden-Württembergs tätig. Dr. Christof Eichert ist Senior Expert der Strategiemanufaktur und war unter anderem Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg.
Sie möchten wissen, wo Ihre Kommune steht? Sprechen Sie uns an – wir stellen Ihnen die Pakete in einem unverbindlichen Gespräch vor.
Kontakt: info@strategiemanufaktur.de oder will@strategiemanufaktur.de / 0721 – 8 31 61 71